wiewaswer (Braunschweig)

Wir kollektivieren!

Es wird per Aushang eingeladen. So ergibt sich automatisch eine weder in ihrer Anzahl noch in ihrer Zusammensetzung, Rollenverteilung oder Hierarchie geplante Gruppe. Diese Gruppe erhält die Aufgabenstellung, als Kollektiv innerhalb von vierundzwanzig Stunden eine Inszenierung (Theaterstück, Musical, Tanz, Performance, ...) zu entwickeln. Die Konzeptgeber*innen selber wechseln ab Beginn der vierundzwanzig Stunden ihre Rollen:  sie haben im Vorfeld die zeitlichen und örtlichen Bedingungen geschaffen, für den eigentlichen Verlauf des Experiments stellen sie sich aber als Darsteller*innen/Performer*innen/Material zur Verfügung – sie führen lediglich aus, was Ihnen angewiesen wird , halten sich aus Gruppendiskussionen heraus, bieten keinerlei Hilfestellungen, geben die Verantwortung an die Gruppe ab.   

Es gibt also für diese vierundzwanzig Stunden weder vorher festgelegte Positionen, wie Regisseur*in oder Spielleiter*in, keine inhaltliche oder methodische Hilfe, noch sonstige rahmengebende Regeln – die Gruppe als Ganzes ist bei der Konzeption und Entwicklung des Ergebnisses vollkommen auf sich allein gestellt.

Ergebnisdruck ist dadurch gegeben, dass für genau vierundzwanzig Stunden später Publikum für eine öffentliche Aufführung eingeladen ist.

 

Intemporale 24 (Hildesheim)

Die Konzeption eines Theaterstückes und deren Umsetzung nehmen unter normalen Umständen einen Zeitraum von mehreren Wochen in Anspruch. Marcel Sparmann und Elisabeth Trümner wollen diesen Zeitraum bei der der Produktion „Intemporale 24“ extrem verkürzen. Leerstehende Geschäftsräume in der Fußgängerzone von Hildesheim werden zum Produktionsort. Dramatiker*innen, Regisseur*innen, Schauspieler*innen, Musiker*innen, Bühnenbildner*innen, Kostümbildner*innen, Journalist*innen, Foto- und Filmteam , Koordinator*innen, Bühnen- und Lichttechniker*innen – mehr als 40 Beteiligte werden dort ein Theaterstück unter ungewöhnlichen Bedingungen entstehen lassen. Start ist Freitag, 3. Februar 2006, 20 Uhr. Es wird ein Thema vorgegeben, dass bis dahin unbekannt ist, und aus dem in Untergruppen die Konzeption und Realisation in 24 Stunden erarbeitet wird, vom ersten Stichwort bis zur Premiere. Während der gesamten Zeit bleibt der Prozess transparent, so dass Zuschauer die Produktion verfolgen können. 4 Dramatiker*innen beginnen mit dem Schreiben des Stückes, um erste Szenen an Regie, Bühnen-, Kostümbild und Musikteam weiterzugeben. Die Regie beginnt daraufhin mit den Schauspieler*innen zu arbeiten und wird fortlaufend mit neuem Textmaterial versorgt. Die Premiere am 4. Februar, 20 Uhr ist Abschluss und Ergebnis der 24 Produktionsstunden.

 "Intemporale 24“ ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und ein soziales Experiment kollektiver Kreativität unter

Extrembedingungen, bei dem alles passieren kann.

 

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 8.2.2006

"20 Uhr. Premiere. Der Raum ist bis in den letzten Winkel gefüllt. Das Stück heißt „Real World Paradummies in Fire-Eier Desire“. …  Das „Intemporale 24 Team“ hat eine angenehm verstörende Mischung aus Drama und Slapstick geschaffen, in der 4 komplexe Charaktere auftreten. Es sind skurrile Figuren,  die fast nur autistisch handeln, aber durchaus stimmig sind. Einige Szenen werden sogar haften bleiben: Ulrich Reinhardts großartige Körpersprache und Julia Biehls Blick, wenn sie im gläsernen Fahrstuhl in die Tiefe fährt.“

 

taz Nord, 7.2.20006

„Im Stück, dass das Publikum begeistert, aber verwirrt zurücklässt, hat Schauspieler Ulrich Reinhardt die besten Momente. … Bei ihm wurde Körpersprache konsequent umgesetzt. Und sein Monolog steht wie ein Motto für das ganze Konzept: „Eiweiß ist die Ursubstanz. In ihr ist alles vorhanden. Der Sinn und der Unsinn.“

wiewaswer

 

Durchführung / Aufführung: 28. – 29.1.2006, Hochschule für Bildende Künste Brauschweig

Konzept / Durchführung: Julia Dick, Christina Kramer, Ulrich Reinhardt

 

Fotos: Niko Rönpagel

 

 

Intemporale 24

 

Leitung: Marcel Sparmann, Elisabeth Trümner

Regie: Martin Zepter, Katja Kendler

Schauspiel: Ulrich Reinhardt, Julia Bihl, Johannes Birlinger, Eva Bauriedl

Musik: Frede Holste, Jannes Kafka

Ausstattung: Eva Leute, Gwendolin Stolz, Jenny Becker,  Sundari Arlt

Video: Florian Schnell, Andreas Albrecht

 

3.2.2006 – 4.2.2006, Hildesheim